Konzertberichte

"Flammende Rose, Zierde der Erden"

Das Gedicht ist zum Singen bestimmt. Serenade in der Kirche St. Luziensteig mit Annemarie von Salis, Sopran - Myriam Hidber, Querflöte - Joseph Bannwart, Cembalo/Orgel. Ein Programm, das ganz auf die Jahreszeit und den Sommerabend auf dem Lande zugeschnitten war, lockte eine aufmerksame Zuhörerschaft heran. Es war volltönige, frohklingende Musik aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zu hören. Sowohl für die Augen wie für die Ohren herrschte Einklang im schlichten Kirchenraum, wo das letzte Abendlicht noch durch die Chorfenster drang. Was in den Herzen der einzelnen Besucher vorgeht in einer solchen Feierstunde bleibt natürlich unergründlich.
Kurze anmutige Orgelstücke rahmten die umfänglicheren Werke ein. Die Sonate in G-Dur von Antoine Mahault für Flöte und Cembalo wirkte durch mehrmalige Wiederholungen von Tönen und kurzen Passagen als Wunderwerk von ausdrucksstarken Steigerungen. Zu be- merken ist, dass die durchwegs zurückhaltende Gestaltung durch alle Werke beibehalten wurde. Die ohnehin gefühlsstarke Musik wurde somit nicht mit Ueberschwang belastet. [...]
Die Verknüpfung von Sagengestalten des klassischen Altertums mit Kompositionen und Dichtungen aus vergangenen Jahrhunderten und deren Wiedergabe durch die Musizierenden machten die Kraft der wunderschönen Darbietung aus. Man wurde berührt und spürte sich selbst irgendwo im weiten Feld zwischen Vergangenheit und Zukunft am historischen Ort St. Luzisteig.

Ausschnitt aus dem Konzertbericht 18.6.1998 im Prättigauer und Herrschäftler

 

Vernissage im Alten Bad Pfäfers

Je drei Ostschweizer Künstlerinnen und Künstler aus den Kantonen Glarus, Graubünden und St. Gallen zeigen im Alten Bad Pfäfers ihre Werke.

Musik als Laudatio
Die junge Flötistin, Myriam Hidber, hatte je ein Werk der drei Damen und Herren ausgewählt und ihm Musik zugeordnet. Z.B. Heinz Bächler, Diesbach GL, Batik mit eigener neuer Technik auf Baumwolle oder Seide. Seinem Werk "Geburt" galt das Musikstück "In den Wind geschrieben". Ulrich Bruppacher, Hätzingen GL, installative Interventionen aus den verschiedensten Matierialien; Werk: "Das Gefährt"; Musik: "Lumière-Modération-Equilibre" von einem französischen Impressionisten. u.a.
Myriam Hidber hat sich die Zuordnung der Musik zu den Werken nicht leicht gemacht. Das Resultat war verblüffend; die Darbietung entsprach dem Unterfangen: einzigartig!

Bericht vom 20.6.2001 aus dem Sarganserländer

 

"Träumerei" zum Auffahrtstag

ALTES BAD PFAEFERS  Es ist schon immer wieder von Neuem ein Genuss (und ein grosses Verdienst der Vereinigung der Freunde von Bad Pfäfers), dass dieser schöne Ort erhalten blieb und der Musik den nötigen Rahmen gibt. Es scheint, dass die alten, ehrwürdigen Räume zu den klassischen Tönen mitschwingen, die Felsen sich verneigen, die rauschenden Wasser stiller werden, die Natur leise mitsummt. Eine ergreifende Melodik schwingt durch die Luft, vom bezaubernden Spiel eines Flügels und der Querflöte zur sinfonischen Dichtung gestaltet. Zauberer der Melodien Myriam Hidber (Flöte) und See Siang Wong (Klavier) sind eins mit ihren Instrumenten, im Zusammenspiel ein Duo der Harmonie und Perfektion. Das wird schon in den ersten Takten der "Sonate h-Moll" von Georg Friedrich Händel spürbar, die durch die filigranen Töne der Flöte im Largo zur leicht heiteren Ouvertüre mit schelmischen Akzenten wird, im Vivace Nuancen eines Schumann erahnen, im Adagio und Alla breve die Bilder der Natur im Raum erscheinen lässt...

Zauber der Romantik
Die beiden Interpreten hatten ganz bewusst ein Programm zusammengestellt, das nicht nur ihren Instrumenten ein Optimum an Darstellungskraft gab, sondern auch die Unvergänglichkeit der Romantik, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts in der Musik lebendig blieb, wiederspiegeln konnte. Charles Marie Widor lässt in seiner "Suite Op. 34, Nr. 1" seine Hingebung zur klassischen Orgelmusik erklingen, einer dekorativen Gestaltung der Klangfelder aber war ihm ein hohes Anliegen. See Siang Wong kann diese Kunst auf dem Flügel gekonnt umsetzen. Der Wechsel vom strengsten Legato zum vehementen Staccato lässt seine Hände vom sanften Streicheln bis zum temperamentvollen Anschlag mit den Tasten einen Dialog führen, der durch den Tonvielfalt der Flöte zu einer Orgelsinfonie verschmilzt. Wer die Augen schloss, fühlte sich in St. Sulpice versetzt, in jene Kirche in Paris, in der Widor während Jahrzehnten als Organist wirkte. [...]

Ein Meister der Lyrik in der Musik
Seinen Standort als Komponist sah Carl Reinecke, der als Interpret der Musik der Wiener Klassik verpflichtet blieb, in der deutschen Romantik. In seinen Werken zeigte er sich als lyrischer Musiker, der vor allem in der von Brahms orientierten Kammermusik eigene Kompositionen von bleibendem Wert schuf. Von Kinderliedern bis zu Ouvertüren und Sinfonien hinterliess er ein zwar nicht grosses, aber für viele Komponisten wie zum Beispiel Edvard Grieg wegweisendes Repertoire. Das Duo Hidber-Wong bot mit der Sonate "Undine Op. 167" für Flöte und Klavier von Carl Reinecke einen musikalischen Höhepunkt, das das ganze Spektrum an Stimmungen und Gefühlen dieses Nach- mittags, an diesem historischen Ort, aber auch die Fähigkeit der Interpreten, dies alles sicht- bar werden zu lassen, wiedergab.

Ausschnitt aus dem Konzertbericht aus dem Sarganserländer vom 6. Juni 2000

 




© 2004 Myriam Hidber